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Kolumne; Glück und Zuversicht

Glück und Zuversicht

Wenn dies ein Podcast wäre, würde ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, sagen: Schließen Sie die Augen und denken Sie an etwas Positives. Vielleicht an einen Sonnenuntergang am Meer – oder in den Bergen?

Ein romantischer Abend bei Kerzenschein, tanzen im Mondlicht oder schnorcheln im kristallklaren Wasser: Wichtig ist nur, dass es Sie glücklich macht.

Die Suche nach dem Glück füllt nicht nur unzählige Buchseiten, sie füllt auch die Konten jener, die anderen bei ihrer Suche nach dem Glück helfen wollen. In Glücksseminaren versprechen sie den Weg zur Zufriedenheit und zur Glückseligkeit. Ob Waldbaden oder Nacktwandern – jeder sucht ganz individuell sein Glück. Aber gibt es nicht auch etwas Universelles, von Bensheim bis Timbuktu?

Ein guter Kaffee wäre ein Anfang! Ein perfekter Start in einen glücklichen Tag – für mich auf jeden Fall. Ich freue mich immer auf das Sonntagsfrühstück mit knusprigen Brötchen, leckerer Marmelade und einem wachsweichen Ei. Und dann dieser Duft des frisch aufgebrühten Kaffees. Dazu die Zeit mit meiner Frau, dieses Ritual zu genießen.

Doch was ist, wenn die Bäckereifachverkäuferin mir die Brötchen nicht freundlich reicht, weil sie einen schlechten Tag hat – und die Mohnbrötchen auch noch ausverkauft sind? So fragil kann Glück sein! Und vielleicht bin ich ein Glückskind, dass mir das bisher nur selten passiert ist.

Sie werden vielleicht den Kopf schütteln und sich fragen, ob das nicht zu banal ist. Glück ist doch mehr als ein gelungenes Sonntagsfrühstück zu zweit?

Dann denken Sie jetzt bitte an Hundebabys, Delfine und einen drolligen Igel, der nicht unter die Räder gekommen ist. Zaubert das ein Lächeln in Ihr Gesicht?

„Gut, dass der keinen Glücksratgeber geschrieben hat“, wird der eine oder andere jetzt sagen. Ich bin aber überzeugt: Glück findet man im Kleinen – und man muss offen dafür sein, es zu entdecken.

Ein Kind, das lacht. Ein Hund, der sich freut, als wären Sie sein Lebensinhalt. Und jemand, der Ihnen nicht die Tür vor der Nase zuschlägt, sondern sie freundlich aufhält. Oder dass Sie spontan in Ihrem Lieblingsrestaurant einen Platz bekommen.

Ist Ihnen schon einmal aufgefallen, wie miesepetrig und schlecht gelaunt oft Menschen wirken, die auf ihrer Luxusjacht sitzen? Warum lächeln die nicht glückselig? Das habe ich mich gefragt, als ich einmal im Hafen von St. Tropez im Café saß und auf die Schiffe blickte, die direkt vor meiner Nase ankerten. Das gleiche Phänomen in den Luxusboutiquen: kein Lächeln, sondern arrogant zur Schau getragene Langeweile.

Ich komme zu der Erkenntnis, dass Luxusgüter eben nicht der Weg zum Glück sind.

Oder man definiert Luxus anders, so wie einst Sängerin Ulla Meinecke in ihrem Lied „Schlendern ist Luxus“. Also öfter mal auf die Bremse treten, Handy aus, nicht erreichbar sein und Glück tanken.

Und hoffen, dass der Kaffee gut ist!

Thomas Neu