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Kolumne: Dolce Vita in den Marken

Dolce Vita

Dolce Vita

Ein Reisebericht aus den Marken, Italien

Koffer leer, Kopf voll

Die Koffer sind ausgepackt, der Kopf ist noch voller wunderschöner Erinnerungen, und auf dem Handy tummeln sich Hunderte Fotos aus unserem Traumurlaub in Italien.

Im Keller lagert italienischer Weißwein, in der Küche stehen Olivenöl und Pasta bereit.

Erinnerungen, die bleiben

Alles hat ein Ende – auch die schönsten Tage an der Adria werden irgendwann zur Erinnerung, in der meine Frau und ich noch lange schwelgen werden:

„Weißt du noch, dieses kleine Restaurant in den Bergen?“
„Die besten Muscheln unseres Lebens im Bagno in Grottammare!“
„Dieser unvergessliche Sonnenuntergang hoch über dem Comer See …“

Und die freundliche Vermieterin, die uns am liebsten ständig umarmt hätte.

Eine sprachliche Überraschung

Ein kurioser Moment bleibt uns besonders im Gedächtnis:

Wir waren die einzigen Deutschen im Hotel. Umso überraschter waren wir, als wir in einem abgelegenen Bergdorf am Nachbartisch plötzlich eine Sprache hörten, die uns völlig fremd – ja, geradezu exotisch – erschien.

Meine Frau und ich sahen uns fragend an: Schweizer? Holländer?

Nein. Dann die Erkenntnis: Schwaben! Und zwar im kräftigsten Schwäbisch – wir verstanden kaum ein Wort.

Die Frage aller Fragen: Wohin fahrt ihr?

Schon vor unserer Reise wurden wir oft gefragt:

„Wohin fahrt ihr?“ – „In die Marken.“ – „Noch nie gehört.“

Eigentlich müsste ich jetzt schweigen. Oder lügen. Und erzählen, wie schrecklich diese Region südlich von Venetien an der Adria ist.

Denn ich will auf keinen Fall, dass noch mehr Menschen entdecken, wie traumhaft es dort ist.

Leider habe ich den Fehler schon gemacht, die Region beim Namen zu nennen – und verraten, dass es ein absoluter Traumurlaub war.

Oh je, wie komme ich nur wieder aus der Nummer raus?

Die Toskana-Falle

Letztes Jahr waren wir in der Toskana.

Jeder kann mindestens drei Städte nennen: Florenz, Siena, Pisa. Alle wunderschön – und alle überlaufen.

Wobei man ja selbst immer Teil des Problems ist.

Ein echter Geheimtipp

Also suchten wir uns in diesem Jahr eine Region aus, von der wir gelesen hatten, dass sie schön, aber noch relativ unbekannt sei.

Dass unser Automobilclub kein einziges Routenpaket oder Kartenmaterial für diese Gegend im Angebot hatte, war ein sicheres Zeichen: Wir lagen goldrichtig.

Offenbar bleiben die meisten deutschen Touristen an der Adriaseite Italiens in Rimini hängen. Kaum jemand scheint weiter in den Süden zu fahren – zu unserem Glück.

Zwei Wochen Staunen

Über eine Zwischenstation am Comer See gelangten wir zu unserem Hotel.

Dort schaute man uns erstaunt an, als wir sagten, dass wir zwei Wochen bleiben wollten.

Es scheint, als sei man sich hier – im Schatten der Toskana und Umbriens – gar nicht bewusst, wie schön es ist.

Wir fanden zauberhafte Orte, trafen freundliche Menschen, aßen herrlich und genossen die Ruhe.

Wo Wein und Oliven wachsen, kann man einfach nicht falsch liegen.

Bitte vergessen Sie alles, was Sie gerade gelesen haben

Eigentlich müsste ich jetzt – wie in Men in Black – alle Leser „blitzdingsen“, damit sie vergessen, welche Region ich hier so begeistert beschrieben habe.

Denn ich weiß, wie schnell sich Geheimtipps herumsprechen.

Einige Freunde haben mir bereits gesagt, dass sie nun genau dort ihren nächsten Urlaub planen.

Bitte nicht! Sonst druckt mein Automobilclub bald auch Karten für die Marken – und wir müssen uns wieder eine neue, noch unentdeckte Region suchen.